In den letzten Monaten ist hier nichts passiert. Dies lang daran, dass ich lange überlegt habe, ob ich diese Seite überhaupt weiterführen möchte. Außerdem habe ich mal gelernt, dass man, wenn man nichts Nettes sagen kann, man lieber gar nichts sagt.
Der Frust, der sich bei mir über die Saison angestaut hatte, ist so langsam wieder verdaut. Sport mache ich nach einer längeren Pause auch wieder. Allerdings auf einem anderen Niveau als noch im Sommer. Während es im Schwimmbad und auf dem Rad noch einigermaßen gut geht, muss ich beim Laufen schon hart mit meiner 10km Runde kämpfen. Hier hat mir die Pause des Herbsts ordentlich zugesetzt. Zudem habe ich die totale Trainingspause im Bereich Laufen auch noch deutlich weiter ausgedehnt um die muskulären Probleme meiner Beine, die mich im Sommer immer wieder zurückgeworfen haben, endlich völlig auszuräumen. Dies ist allerdings keine Sache, die sich mal so eben beheben lässt. Ich denke, dass ich schon gute Fortschritte gemacht habe, sowohl was Athletik als auch was Flexibilität angeht. Es liegt aber noch ein langer Weg vor mir.
Wie soll es weitergehen? Absolute Priorität für mich wird in den nächsten Monaten mein Studium haben. Nebenher werde ich mich versuchen fit zu halten so gut es geht. Im Sommer wird sich dann zeigen, ob ich Lust und Form für das eine oder andere Rennen finde. Mein Motte wird sein “Tri for fun”. Kommt Lust, kommt Rennen.
Ich werde versuchen mich wieder regelmäßiger hier zu melden. Bis dahin wünsche ich euch zunächst einmal “Frohe Weihnachten” und einen “Guten Rutsch”!
Der Ironman Wales am letzten Sonntag sollte mein letztes Rennen als Pro auf der Ironman-Serie werden bevor ich mich in der nächsten Zeit erst einmal auf den Abschluss meines Studiums und den Berufseinstieg konzentrieren werde. Leider lief das Rennen nicht ganz wie ich es mir vorgestellt habe.
Ich bin mit einer guten Form nach Tenby angereist. Keine absolute Topform, wie ich sie eventuell auf Hawaii 2008 hatte, aber eine Form, die auf ein gutes Rennen hoffen ließ. Das war es was ich wollte, ein solides Rennen zum Abschluss, alles aus mir rausholen und am Ende sagen können, mehr war nicht drin.
Im Vorfeld gab es wenige Infos über das Rennen in Tenby und diese wenigen Fakten waren zum Teil auch noch widersprüchlich. Immer wieder wurde ich davor “gewarnt” ein UK-Rennen zu starten. Rennen dort seien anders als ich sie kennen würde, was ich aber nicht gelten ließ. Schließlich habe ich schon fast überall auf der Welt Rennen gemacht, was sollte mich da schon überraschen: Linksverkehr…auch der sollte machbar sein.
Was mich dann tatsächlich in Wales erwartete übertraf jedoch alles Gerede im Vorfeld. Angefangen beim kalten Wasser (14Grad), über die hohen Wellen und die starke Strömung, bis hin zur sowohl technisch als auch körperlich abartig harten Rad- und Laufstrecke ließ mich jede neue Info einen Tick weniger an ein gutes Rennen glauben. So kam es dann auch, dass das Rennen für mich ziemlich schnell vorbei war. Bereits nach 30km Rad fahren, noch an Position 5 oder 6 liegend stieg ich vom Rad und direkt in die warme Badewanne einer netten Anwohnerfamilie. Für mich war klar, dass dies nicht der Tag und nicht die Strecke war, um einen Ironman ins Ziel zu bringen. Meinen größten Respekt für alle die, die dies am Sonntag geschafft haben.
Leider ist mir ein ordentliches Rennen zum Abschluss verwehrt geblieben, das Leben geht trotzdem weiter. Jetzt warten andere Aufgaben und Ziele auf mich. Schön waren die letzten Jahre trotzdem!
Die Vorbereitungen für den Ironman Wales nächste Woche sind fast abgeschlossen, gestern habe ich beim Sprinttriathlon in Hannover noch mal kurz die Form angetestet. Ich bin ziemlich zufrieden wie es gelaufen ist. Im Schwimmen und auf dem Rad habe ich mich noch etwas bedeckt gehalten, beim Laufen dann die ersten drei Kilometer richtig Gas gegeben und danach den Vorsprung verwaltet. Im Ziel waren es dann knapp 30 Sekunden Vorsprung auf Sven Weber und eine Laufzeit von knapp unter 18 Minuten für die abschließenden 5km inklusive zweitem Wechsel. Damit hätte ich zwar in der Bundesliga nix zu bestellen gehabt, aber für einen Langdistanzler ist es wohl nicht so langsam. Der Speed scheint zu stimmen, jetzt muss sich nur noch zeigen ob die Ausdauer auch passt.
Dank der Einladung meines Sponsors Biestmilch durfte ich die letzte Woche im wunderschönen St. Moritz verbringen. Die Umgebung ist zum trainieren einfach traumhaft und wenn dann dazu noch eine solche Trainingsgruppe kommt, braucht es keine Motivation mehr für ein paar knackige Einheiten.
Highlight der Trainingswoche war eine lange Radausfahrt über 150km von St. Moritz über Zernez – Füela Pass – Davos – Albula Pass wieder zurück nach St. Moritz. Am Abend vorher wurde beim Essen noch darüber gescherzt wie schnell wir wohl nach Zernez fahren könnten und ob wir die erste Stunde nicht mal kreiseln wollten…am nächsten Tag wurde es dann Realität. Das “Rennen” war in der ersten Stunde sehr nervös J und so stand der Schnitt beim Einstieg in den Füela Pass bei 43,6 kmh. Da hatte ich dann schon etwas Bedenken später noch wieder in St. Moritz ankommen zu können, schließlich wurde es in den Anstiegen auch nicht wirklich entspannter. Letztendlich hab ich die Ausfahrt aber gut überstanden und die Erkenntnis gewonnen, dass die Form zurzeit nicht gerade die schlechteste ist.
An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Biestmilch und sämtliche Biestgirls und -boys für die traumhafte Woche in St. Moritz!
Sieg in Fuldatal!
Kaum wieder zurück aus den Alpen stand ich dann am letzten Sonntag beim Fuldataler Triathlon am Start. Dieses Rennen gehört definitiv zu meinen Lieblingsrennen. Eine gute Organisation und schwere Wettkampfstrecken sorgen dafür, dass ich gerne wieder in Ihringshausen am Start bin.
Das Rennen lief von Anfang an gut für mich. Beim Schwimmen konnte ich mich sofort vom Feld absetzen und bis zur Wechselzone nach 1500m einen Vorsprung von knapp 2 Minuten rausschwimmen. Leider lief es dann erst einmal nicht mehr wie geplant. In der Wechselzone wurde ich von einem Kampfrichter darauf hingewiesen, dass ich die letzte Boje der Schwimmstrecke falsch angeschwommen hatte. (Einschub: Kurz vorm Start wurde an der Startlinie zwischen den Athleten diskutiert, ob die Startboje auch am Ende der Schwimmstrecke angeschwommen werden muss, daraufhin kam der “Captain Jogibär” der das Führungskajak fuhr und sagte uns, diese Boje diene nur der Start und hätte nachher beim Schwimmen keine Bedeutung mehr für uns. Ich kannte das noch aus den Zeiten, als mein Schwimmtrainer noch der Jogibär war und der hatte immer Recht, also habe ich es so gemacht, Boje ausgelassen.) Um keine weiteren Diskussionen aufkommen zu lassen entschloss ich mich also wieder zurück in die Fulda zu springen und eine ca. 200m lange Extrarunde um die letzte Boje zu drehen, mein schöner Vorsprung war dadurch erst einmal wieder aufgebraucht.
Letztendlich kam ich so als 3. aus dem Wasser, konnte mich dann aber beim Wechsel schon wieder an die Spitze des Feldes setzen. Das Radfahren gestaltete ich dann genau nach Vorgabe. Durchschnittlich 290 Watt auf den nicht ganz einfachen 40km verschafften mir in der 2. Wechselzone einen Vorsprung von knapp 6 Minuten. Ich wollte diesen Vorsprung aber nicht verwalten, sondern meiner Laufform mal wieder einen richtigen Test unterziehen. Daher zwang ich mich beim Laufen immer wieder ans Limit zu gehen. Letztendlich stand dann noch eine 35er Laufzeit für die 10km zu Buche. Damit kann ich sehr zufrieden sein und es zeigt mir, dass ich mich in Zukunft auch mal wieder auf meine Laufstärke verlassen kann.
Im Ziel waren es dann fast 7 Minuten Vorsprung auf Markus Fischer vom DSW Darmstadt, ein eigentlich gelungener Test für den Ironman 70.3 Wiesbaden. Eigentlich, weil mir das Pech dieses Jahr absolut treu ist. Nur einen Tag nach dem Rennen hat mich ein Magen-Darm-Virus erwischt und zurzeit kann ich noch nicht sagen, ob ich es bis zum Wochenende schon wieder auf die Beine schaffe. Es läuft nicht so richtig J
So langsam war die Zeit gekommen mal wieder ins Wettkampfgeschehen einzugreifen. Daher kam mir die kurzfristige Anfrage in der 2. Mannschaft des TuS Griesheim beim Bundesligarennen am Tegernsee auszuhelfen sehr gelegen.
Beim Tegernsee Taltriathlon ging es auf anspruchsvollen Strecken am Sonntag über die Distanzen von 1,5 km Schwimmen, 40 km Rad fahren und 10km Laufen. Mein Rennen würde ich von Anfang bis zum Ende als solide bezeichnen. Die Form ist nach den Wadenproblemen der letzten Wochen nicht gerade auf dem Höhepunkt, daher stand letztendlich “nur” ein 16. Platz im Feld der 2. Bundesliga zu Buche. Für mich war es aber mal wieder ein Schritt nach vorne. Keine Probleme im Rennen und gegen Ende der Teilabschnitte sogar immer ein ziemlich gutes Gefühl. Ich bin wieder optimistisch!
Woher weiß man eigentlich ob man nach einem Rennen schon wieder erholt ist und voll ins Training einsteigen kann? Eine Frage die mich in den letzten Wochen immer wieder beschäftigt hat. Gelöst habe ich sie noch nicht…
Der Ironman Texas steckt mir noch sehr in den Knochen und leider nicht nur da. Viel schlimmer ist wahrscheinlich noch die mentale Komponente. Während man nach guten Rennen ziemlich schnell regeneriert, dauert es bei solch frustrierenden Rennen wie meiner Texaswanderung doch deutlich länger, obwohl die körperliche Belastung wahrscheinlich weitaus niedriger ist.
In den ersten zwei Wochen nach Texas war mir die Lust auf Training sowieso vollends vergangen, also habe ich vor allem passiv regeneriert. Nachdem mich mein Trainer dann wieder zurück in die Spur geholt hat habe ich nach Lust und Laune angefangen zu trainieren. Lust und Laune bedeutete meistens entspannt mit dem Rad durch den schönen Odenwald. Mal wieder auf den abgelegenen Wegen ohne viel Verkehr und vor allem ohne jeglichen Druck durch Leistungsmesser, Tacho, Pulswerte usw. Wenn ich keinen Bock mehr hatte bin ich halt wieder heim gefahren und wenn die Sonne geschienen hat auch mal noch eine Runde länger als ich mir vorher eigentlich überlegt hatte. Schön war es! Laufen war sowieso noch immer nicht wieder möglich, also viel das komplett aus und Schwimmen lief so nebenbei. Ab und an muss man sich ja auch den Bauch mal waschen gehen.
Jetzt sind schon fast 5 Wochen vergangen seit dem Rennen, wirklich frisch fühle ich mich noch immer nicht, was allerdings schon wieder drängt ist die Zeit bis zum Ironman Frankfurt. 5 Wochen sind es noch. Eventuell kommt das Rennen für mich dann doch etwas früh. Ich werde auch in der nächsten Zeit im Training noch weiter nach dem Motto “Train by feel” agieren und wahrscheinlich heißt es dann kurz vor Frankfurt auch “Race by feel” und ich entscheide kurzfristig ob ich die Form für einen guten Ironman schon wieder habe.
Ich mache meine Regeneration also vor allem an der mentalen Komponente fest. Wenn ich wieder Lust auf Training habe, dann bin ich auch körperlich wieder dazu in der Lage. Ob das allerdings nach einem enttäuschenden Rennen der richtige Weg ist kann ich nicht 100%ig sagen.
Einen weiteren interessanten Artikel zu diesem Thema findet ihr auf der Seite von Biestmilch.
Vorgeschichte oder Houston, wir haben ein Problem!
Der Grund warum es hier schon längere Zeit sehr ruhig geblieben ist waren einige kleine Probleme im Vorfeld des Ironman Texas. Zunächst hielt mich der Umfang und die Intensität des Trainings davon ab noch viel Zeit am Computer verbringen zu können, dann kam das Rennen näher und das Training wurde zurückgefahren und ich hätte endlich Zeit gehabt, leider kam es aber wieder anders als gedacht…
An einem letzten langen Trainingstag knapp 3 Wochen vor dem Ironman hab ich mir bei einem abendlichen Tempowechsellauf einen Muskelfaserriss in der rechten Wade zugezogen. Die gleiche Verletzung wie im letzten Jahr zur ungefähr gleichen Zeit. Alle Jahre wieder im Mai! Ich war zwar schon ziemlich müde an dem Abend, aber muskulär hab ich mich super gefühlt. Völlig unerklärlich das Ganze!
Nach der Diagnose war ich ziemlich frustriert. Die Hoffnung bis zum Rennen wieder belastbar zu sein kam allerdings schnell wieder zurück. An dieser Stelle vielen Dank an alle Physios und Ärzte die wirklich alles getan haben um mich schnell wieder in die Laufschuhe zu bringen.
12 Tage vor dem Rennen hab ich mich dann einem Belastungstest unterzogen: 10km Dauerlauf. Bei diesem Lauf hatte ich ein sehr gutes Gefühl. Eigentlich fühlte ich mich sogar so gut wie schon ewig nicht mehr beim Laufen. Wahrscheinlich war ich zum ersten Mal wirklich erholt!
Am nächsten Tag dann noch ein gesteigerter Dauerlauf über 18km und danach stand die Entscheidung nach Texas zu fliegen. Flug gebucht und 2 Tage später ging es über den großen Teich.
Das Rennen oder Don`t mess with Texas!
Die Tage vor dem Rennen liefen unspektakulär ab. Etwas Training auf den Wettkampfstrecken, ein bisschen Sightseeing in den Woodlands, viel Ruhe und ordentliches Auffüllen aller Speicher. Dann kam der Rennsamstag.
Was sich an diesem Tag abspielte topt alles was ich in diesem Sport jemals erlebt habe. Das Schwimmen lief gut und nach knapp 49 Minuten für die 3,8 km ohne Neoprenanzug verließ ich wohl noch gerade so in den Top 10 das Wasser. Auf den ersten 20 km Rad musste ich dann etwas mehr arbeiten als erwartet, konnte aber die kleine Lücke zur Spitzengruppe alleine schließen.
Dort angekommen war das Tempo sehr angenehm und ich konnte relativ gut mithalten bis mich nach 65 km der erste Plattfuß heimsuchte. Hinterraddefekt, schnell einen neuen Reifen aufgezogen und weiter. Die Gruppe war natürlich weg. 10 km später, gleiches Spiel am Vorderrad. Reifen hatte ich keinen mehr, also das Pannenspray benutzt, welches mehr schlecht als recht funktionierte. Nachdem ich dann nach 90 km einen Zeitstrafe für einen zu langsamen Überholvorgang abgesessen habe fuhr ich die nächsten 35 km fast auf der Felge. In der Hoffnung, dass der Materialwagen ja irgendwann mal kommen muss, rollte ich allerdings weiter. Dann neues Vorderrad rein und weiter. Zumindest bis zur Wechselzone. Auf meinen SRM steht eine Radzeit von immer noch 4:48 Std. für die 182 km. Leider durch die Reifenwechsel und Zeitstrafe deutlich mehr in der Ergebnisliste. Laufen war dann nach einen Kilometer für mich gegessen. Die Wade ließ, ohne größere Schäden riskieren zu wollen, leider kein Laufen zu. Also beschloss ich den Marathon zu wandern. Ein zweites DNF wollte ich mir unbedingt ersparen, außerdem hatte ich nachmittags sowieso nichts weiter vor. Nach knapp über 13 Stunden erreichte ich das Ziel. Mehr oder weniger Glücklich über das Ergebnis.
Wie es jetzt für mich weitergeht werde ich hier mitteilen sobald ich dieses Rennen für mich verarbeitet habe. Nicht böse sein wenn dies eventuell auch etwas länger dauern kann. Für mich stellt sich gerade die Frage ob es das Werte ist, sich Wochen lang im Training für ein solches Rennen zu quälen, dann einen Tag lang an seine körperlichen Grenzen zu gehen und anschließend mit üblen Schmerzen im ganzen Körper auf einem billigen und schäbigen Hotelzimmer zu liegen? Ich werde drüber nachdenken….
Für das Jahr 2011 hab ich mir vorgenommen einige Dinge in der Auswahl und Gestaltung meiner Rennen zu ändern. Zum einen wollte ich gerne, eine verletzungsfreie Vorbereitung vorausgesetzt, sehr früh in die Saison einsteigen, zum anderen möchte ich mich gerne mit den absoluten Topstartern auf der Lang- bzw. Mitteldistanz messen und versuche daher bei den großen Rennen zu starten und dort auch etwas zu riskieren.
Zum Saisonauftakt ging es daher gleich über den großen Teich um beim Ironman 70.3 Texas auf die Jagd nach den ersten Punkten für das neue Kona Point Ranking zu gehen. Ich hatte bei diesem Rennen schon mit einem starken Feld gerechnet, was ich dann allerdings 2 Wochen vorher in der Starterliste sah hat meine Erwartungen doch deutlich übertroffen. Nicht lange drüber nachdenken, die Form war für April schon ziemlich gut und schließlich bekommt man bei einem solchen Feld wenigstens gleich gezeigt wo man steht.
Akklimatisation
Zusammen mit Sebastian Kienle ging es 8 Tage vor dem Rennen in die Staaten. In Galveston, dem Austragungsort des Rennens, trafen wir dann noch auf die beiden anderen Athleten der Biestmilch-Gang Terenzo Bozzone und Ronnie Schildknecht. Zusammen bereiteten wir uns auf das Rennen vor und hatten auch abseits des Trainings viel Spaß zusammen, wenn auch die Lokation in Galveston eher zu Depressionen führen könnte…schön ist etwas anderes.
Renntag
Schon beim Aufstehen war klar, dass es im Rennen ordentlich Wind haben sollte. Die Fahnen lagen fast waagerecht im Wind.
Geschwommen wurde in einem geschützten hafenähnlichen Bereich zwischen Galveston Island und dem Festland. Daher waren die Bedingungen für den ersten Teil auch trotz des starken Windes fast optimal. Die Wassertemperatur wurde auf 24 Grad geschätzt, es war also Neoprenschwimmen angesagt.
Der Start verlief wie immer, der Countdown wurde nicht abgewartet, 8,7,6 und los ging es.
Ich hatte von Anfang an einen guten Zug und konnte mich sofort an der Spitze behaupten. John Flanagan zog vor dem Feld einsam seine Kreise. Dahinter gab es eine große Gruppe mit ca. 15 Mann, die innerhalb 20 Sekunden in der Wechselzone zum Radfahren ankamen. Mit dabei nahezu alle Favoriten.
Auf dem Rad ging es dann von Anfang an zur Sache. Die Radstrecke führte erst ca. 2 km gegen den Wind zur anderen Küste der Insel und dann immer schön mit Seitenwind am Meer entlang bis zum Wendepunkt und wieder zurück.
Ich hatte von Beginn an sehr gute Beine und machte gleich einige Plätze in der Gruppe gut, als ich dann die Position hinter Richie Cunningham eingenommen hatte, machte ich es mir “gemütlich”. Ich ging davon aus, dass Richie die Erfahrung hat zu wissen wo man sich in einer solchen, im Übrigen absolut fair fahrenden Gruppe am besten aufhält. Leider konnte er wohl auch nicht ahnen, dass auch einige der großen Namen das Tempo nicht mitgehen konnten. So mussten wir immer wieder Löcher zufahren. Genau zu einer solchen Situation kam es auch als nach knapp 20km Chris Lieto, der spätere Sieger, die Gruppe aufgefahren hat. Leider war dann aber das Tempo plötzlich so hoch, dass wir auch gemeinsam die 20 Sekunden zum Ende der Führungsgruppe nicht schließen konnten. So kämpften wir auf Position 7 und 8 bis zum Wendepunkt verbissen um den Anschluss. Kurz nach der Wende hat Richie dann leider platt gefahren und ich war plötzlich alleine.
Mein Rückstand war zwar noch mal auf 15 Sekunden geschmolzen, aber von da an ging nichts mehr und ich musste den Rest des Radfahrens bitter leiden. Mit knapp 8 Minuten Rückstand auf den Führenden Lieto und 3:30 Min. auf die Verfolger kam ich irgendwo um Platz 15 in die Wechselzone zum Laufen. War aber schon ziemlich angeknockt.
Die erste Verpflegungsstelle nutzte ich erst einmal um ordentlich aufzutanken. Auf dem Rad hatte ich mich mit der Verpflegung etwas schwer getan, weil ich es einfach manchmal als sinnvoller erachtet habe im Seitenwind den Lenker und nicht die Trinkflasche in der Hand zu haben.
Danach fand ich einen guten Rhythmus, einzig das richtig hohe Tempo wollte sich nicht einstellen. Ich lief die ganze Zeit knapp unter einem 4 Min./km Tempo, mal etwas schneller, mal etwas langsamer. Leider kein Tempo mit dem man einem solchen Feld noch etwas ausrichten kann. So stand am Ende zwar eine neue Bestzeit über die Mitteldistanz von 4:01 Std. zu Buche, aber auch “nur” ein 18. Platz in diesem Feld.
Mit meiner Leistung bin ich grundsätzlich zufrieden. Im Hinblick auf den Ironman Texas im Mai bin ich auf dem richtigen Weg. Leider kann man sich bei dem neuen Qualisystem für den Ironman Hawaii fast keinen kontinuierlichen Formaufbau mehr leisten. Eine konstante Topform wäre da nicht schlecht, sonst holt man aus einem solchen Rennen leider gerade einmal 50 Punkte.
Nach einem so langen und intensiven Trainingslager wie dem zurückliegenden in Lanzarote verlangt mein Körper sehr schnell nach ausreichender Erholung. Während ich mich in den ersten zwei Tagen nach der Rückkehr meistens noch recht gut fühle, begreift der Körper spätestens am dritten Tag, dass er jetzt die benötigte Ruhe haben kann…und dann nimmt er sie sich auch. Wer mich dann im Training sieht, kann sich schon einmal fragen, was ich da eigentlich mache J Das ist die Phase in der man wirklich cool bleiben muss. Eigentlich gibt es nichts Schöneres: Die Form kommt ganz von alleine, man muss sich einfach nur richtig erholen. Lockere Bewegung ist angesagt, lieber mal eine Einheit ausfallen lassen und dafür einen Mittagsschlaf einschieben oder noch eine zusätzliche Massage.
Während ich früher meist schon viel zu früh wieder am Gashahn gedreht habe, weiß ich mittlerweile wann ich wieder ausreichend erholt bin. In den ersten 8 Tagen gibt es bei mir keine Trainingseinheiten über 2 Stunden Länge. Als Tests dienen mir dann kurze Belastungen im Bereich der Ironman-Intensität. Wenn die wieder richtig rollen, dann kann man sich auch an die ganz intensiven Sachen wagen.
Immer wieder mal etwas Neues
In diesem Jahr ist es allerdings noch etwas schwieriger für mich. Da sich an die Entlastung im Anschluss der Lanzarote-Camp gleich die Taperphase für den 70.3 Texas anschließt und in diesem Zeitraum auch noch die Anreise nach Texas unterzubringen ist.
Als Kompromiss habe ich die Schwimmbelastung nach Lanzarote auf hohem Niveau weiterlaufen lassen und nur im Laufen und auf dem Rad richtig entlastet. Nach 10 Tagen Erholung in diesen Bereichen habe ich diese Woche, mit ausreichendem Abstand zum Hinflug nach Texas, noch meine klassischen Tapereinheiten trainiert. Dies ist zum einen ein Koppeltraining auf einer Standartstrecke durchs Ried und den Griesheimer Wald und zum anderen eine 15×100m WSA Serie auf der 50m Bahn. Diese Einheiten dienen auch dazu eventuell aufkommende Zweifel an der Form schon im Keim zu ersticken. Beides lief absolut nach meinen Vorstellungen ab und morgen kann ich beruhigt in den Flieger nach Houston steigen. Dort erwarten mich zunächst ein paar ruhige Tage bevor der Körper vor dem Rennen noch mal aufgeweckt werden muss.
Leidensgenossen
Ich möchte diese Stelle auch nutzen meinen “Leidensgenossen” der Saisonvorbereitung viel Erfolg für die Leistungsüberprüfung in Saarbrücken am 9. April zu wünschen. Ohne Patrick, Paul und Thomas hätte das Training der letzten Monate deutlich weniger Spaß gemacht und wäre sicherlich auch in der einen oder anderen Trainingseinheit bei Weitem nicht so intensiv ausgefallen. Um es mal frei nach einem zweifachen deutschen Hawaiisieger zu sagen: Ihr habt`s drauf, ihr habt`s immer drauf gehabt und diesmal auch noch richtig trainiert! Haut rein!
In den letzten Wochen ist es hier etwas stiller gewesen, dies lag vor allem daran, dass ich ordentlich auf die jetzt schon sehr bald beginnende Saison hingearbeitet habe. Eigentlich wollte ich vor meine Abreise ins Trainingscamp noch kurz über den Stand der Vorbereitung berichten, aber die letzten Tage vor dem Abflug waren dann wieder bis obenhin vollgepackt mit Terminen. Ein kleiner Roadtrip zu SRM nach Jülich am Tag vor der Abreise war da nur der Höhepunkt einer chaotischen Woche.
Testwochenende
Eine Woche vor dem Trainingslager habe ich das Testwochenende der Bundesligamannschaft des TuS Griesheim genutzt um mal einen groben Überblick über meine momentane Verfassung zu bekommen. Es standen ein 400m und 1500m Test im Schwimmen sowie eine Laufüberprüfung im Rahmen des letzten Laufes der Seligenstädter Winterlaufserie für mich auf dem Programm.
Die Ergebnisse waren ungefähr im Rahmen dessen was ich mir so erhofft hatte, obwohl ich nicht gerade erholt an den Start gegangen bin. Mit einer 34er Zeit auf der nicht als Highspeed-Kurs bekannten Strecke in Seligenstadt war ich sehr zufrieden, der Schwimmzeiten sind ausbaufähig, aber gerade auf 1500m war das Gefühl doch sehr gut und eine 18:45Min. auch nicht ganz von schlechten Eltern.
Trainingslager
5 Tage später ging der Flieger dann endlich in Richtung Kanaren. Zusammen mit Thomas John und Paul Schuster sollte Costa Teguise/ Lanzarote für die nächsten drei Wochen unser Trainingsdomizil sein.
Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren standen in diesem Camp nicht alleine die Grundlagen im Vordergrund. Da ich mich entschlossen habe bereits am 10. April beim Ironman 70.3 in Texas in die Saison einzusteigen (siehe auch im aktualisierten Kalender) wurde in den drei Wochen auch das eine oder andere Mal an den Intensitäten gearbeitet.
Neben den auf Lanzarote schon obligatorischen Kraftausdauereinheiten im Anstieg nach Tabayesco nutzte ich die wellige Küstenstraße nach Orzola um an meiner Zeitfahrperformance zu arbeiten. Im Schwimmen stand uns das Hallenbad des Las Marinas Centers zur Verfügung, dort waren wir meistens schon vor dem Frühstück anzutreffen. Etwas was mir in der Vergangenheit nie wirklich Spaß bereitet hat, was aber dank meiner neuen Taktik mich vor den Einheiten mit einem Biestbooster aufzuwecken fast zu meiner Lieblingsschwimmzeit geworden ist.
Beim Lauftraining muss man im Trainingslager wohl immer etwas Abstriche machen, aber da sind die Bedingungen die man hier rund im Darmstadt und Griesheim vorfindet auch absolut perfekt. Letztendlich haben wir uns aber mit der Promenade in Costa Teguise und den kräftezehrenden Wellen ganz gut angefreundet. Sogar ein 30km Lauf am Ende der drei Wochen war bei weitem nicht so langweilig wie vorher befürchtet. Für die Tempolaufeinheiten stand uns die Bahn im Fußballstadion des benachbarten Arrecife zur Verfügung. Die fast windgeschützte Runde war eine nette Abwechslung zum typischen Kanaren-Wind.
Unsere Trainingsgruppe hat perfekt funktioniert und ich bin überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war sich mit den schnellen Kurzdistanzlern auf die Saison vorzubereiten. Für Paul und Thomas steht am 9. April die Leistungsüberprüfung der DTU für Europa- und Weltcup Starter in Saarbrücken auf dem Programm, während ich einen Tag später beim wohl bestbesetzten 70.3 Rennen des Frühjahrs in Galveston/Texas die Messer wetzen werden. Wir haben alles dafür getan, dass wir an diesem Wochenende fit sein werden, jetzt heißt es Luft an die Form zu lassen….